Beratung zu Wehrpflicht, Musterung & Kriegsdienstverweigerung

Sie kürzen im Sozialen, rüsten auf und wollen die Wehrpflicht wieder einführen. Wir halten im Wedding dagegen.

Du hast keinen Bock auf ihren Wehrdienst, aber Post von der Bundeswehr bekommen?

Keine Panik! Egal ob Fragebogen, drohendes Bußgeld oder Musterung – wir beraten dich unabhängig, solidarisch und passend für deine Situation.

Zeitlicher Verlauf

2011

Aussetzung der Wehrpflicht

Zum 1. Juli 2011 wurde die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt.

Sie wurde allerdings nicht abgeschafft: Die Regelungen stehen weiterhin im Grundgesetz und im Wehrpflichtgesetz. Seitdem gibt es die Bundeswehr offiziell als Freiwilligenarmee.

Seit 2022

Debatte über Wiedereinführung

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 begann eine neue Debatte über Aufrüstung, „Kriegstüchtigkeit“ und Personalmangel bei der Bundeswehr. Mit der „Zeitenwende-Rede“ des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) wurde die umfassende Militarisierung Deutschlands eingeläutet.

Sommer 2024

Pläne für neuen Wehrdienst

Das Verteidigungsministerium entwickelte ein Modell für einen „neuen Wehrdienst“.

Vorbild war unter anderem das schwedische Modell: zunächst Fragebogen plus Auswahlverfahren, später mögliche Verpflichtung.

30. Juli 2025

Referentenentwurf veröffentlicht

Das Verteidigungsministerium veröffentlichte den ersten offiziellen Entwurf für das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz.

27. August 2025

Bundesregierung beschließt Gesetzentwurf

Die Bundesregierung verabschiedete den offiziellen Regierungsentwurf.

Ziele laut Bundesregierung:

  • mehr Soldat:innen gewinnen
  • die personelle Reserve massiv ausbauen
  • die Bundeswehr auf NATO-Ziele vorbereiten (jährliche Ausgabe von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für direkte und indirekte militärische Investitionen)

5. Dezember 2025

Bundestag beschließt Wehrdienst-Modernisierungsgesetz

Der Bundestag verabschiedete das Gesetz mit Mehrheit von CDU/CSU und SPD.

Wichtige Inhalte:

  • alle 18-Jährigen sollen einen Fragebogen erhalten
  • für Männer ist die Beantwortung verpflichtend
  • für Frauen ist diese freiwillig
  • die Musterung wird schrittweise wieder eingeführt
  • die Möglichkeit einer späteren „Bedarfswehrpflicht“ wird festgeschrieben
  • der freiwillige Wehrdienst soll finanziell attraktiver werden
  • Ziele: deutlicher Ausbau von Bundeswehr und Reserve bis 2035

19. Dezember 2025

Bundesrat stimmt der Gesetzesvorlage zu

Der Bundesrat bestätigte das Gesetz.

Damit trat das Gesetz in Kraft.

Ab Januar 2026

Versand der Fragebögen

Seit Anfang/Mitte Januar 2026 werden Fragebögen an junge Menschen des Jahrgangs 2008 verschickt.

Abgefragt werden unter anderem:

  • Gesundheitszustand
  • Fitness
  • Schulabschluss
  • Führerschein
  • Bereitschaft zum Wehrdienst

2026

Aufbau neuer Musterungsstrukturen

Die Bundeswehr baut derzeit neue Musterungs- und Assessmentstrukturen auf.

Geplant sind:

  • neue Musterungszentren
  • regionale Karrierecenter
  • digitale Erfassungssysteme
  • 24 neue Musterungsstandorte

Ab 1. Juli 2027

Verpflichtende Musterung

Ab dem 1. Juli 2027 soll die verpflichtende Musterung für Männer des Geburtsjahrgangs 2008 beginnen.

Die Einführung erfolgt vermutlich schrittweise, weil derzeit noch Personal und Infrastruktur fehlen.

Die Musterung dient zur:

  • medizinischen Erfassung
  • Feststellung der „Wehrfähigkeit“
  • möglicher Auswahl für Wehrdienst oder Reserve

Perspektivisch

„Bedarfswehrpflicht“

Das neue Gesetz enthält die Möglichkeit, später eine sogenannte „Bedarfswehrpflicht“ einzuführen.

Das bedeutet:

Wenn sich zu wenige Freiwillige melden, kann der Bundestag eine verpflichtende Einziehung beschließen. Boris Pistorius formulierte das Ziel, dass die Bundeswehr bis 2035 auf 255.000 - 270.000 Soldaten und 200.000 Reservisten anwachsen soll.

Wichtig: Die Wehrpflicht ist rechtlich weiterhin vorhanden und nur ausgesetzt. Für eine Reaktivierung wäre wahrscheinlich keine Grundgesetzänderung nötig.

Was tun, wenn du Post bekommst?

Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie zum ersten Mal einen Brief von der Bundeswehr erhalten. Wichtig ist: Nicht in Panik geraten und nichts überstürzt tun.

Je nachdem, um welches Schreiben es geht, gibt es unterschiedliche Fristen, Pflichten und Handlungsmöglichkeiten.

Nicht jede Nichtreaktion führt automatisch sofort zu Konsequenzen. Trotzdem ist es sinnvoll, sich frühzeitig zu informieren und Unterstützung zu suchen.

Wir beraten dich über die notwendigen Schritte und mögliche Handlungsoptionen.

Wenn du ein Schreiben erhalten hast und nicht weißt, wie du damit umgehen sollst: Melde dich bei uns.

Kriegsdienstverweigerung (KDV)

Auch wenn die Wehrpflicht aktuell ausgesetzt und noch nicht wieder eingeführt ist, bleibt das Recht, den Kriegsdienst aus Gewissensgründen zu verweigern, bestehen. Das ist im Grundgesetz Artikel 4, Absatz 3 geregelt.

Dementsprechend kann auch zum jetzigen Zeitpunkt ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung (KDV) gestellt werden.

Es kann ausschliesslich der „Kriegsdienst an der Waffe“ verweigert werden. Im Falle der Wiedereinführung der Wehrpflicht, müssen anerkannte Kriegsdienstverweigerer einen Ersatzdienst, Zivildienst ausserhalb der Bundeswehr, leisten.

Zur Frage, ob es Sinn macht, den Kriegsdienst vorsorglich zu verweigern, gibt es unterschiedliche Überlegungen, auch unter verschiedenen friedensbewegten Organisationen. Daher ist eine individuelle Beratung empfehlenswert.

Ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung besteht grundsätzlich aus zwei Teilen: Der persönlichen gewissenshaften Begründung sowie einen dazu passenden tabellarischen Lebenslauf.

Beim Schreiben eines solchen Antrags darf man sich in keinem Fall auf Onlinegeneratoren oder KI Anwendungen verlassen, melde dich bei uns und wir helfen dir beim Verfassen eines Antrags auf Kriegsdienstverweigerung.

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Beratung anfragen

Hast du Fragen oder brauchst Unterstützung? Schreib uns – wir sind für dich da. Unabhängig, solidarisch und passend für deine Situation.

  • Für Betroffene, Freund:innen, Eltern und Lehrkräfte
  • Schritt für Schritt – ohne Druck, in deinem Tempo

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Weitere Informationen

Internationale der Kriegsdienstgegner:innen (IDK)Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)
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