Berlin Mitte - imperialistisches Machtzentrum seit dem deutschen Kaiserreich. In der sogenannten Gründerzeit angewachsen zur Weltmetropole. Hier schmiedeten die Herrschenden Pläne zur Erkämpfung eines "Platzes an der Sonne" für das deutsche Kapital. Pläne, die in den ersten großen Weltkrieg zwischen den imperialistischen Mächten mündeten. Hier wurden die Kriegstreiber von damals durch die sozialistische Novemberevolution gestürzt. Hier wurde eben diese Revolution blutig niedergeschlagen und ein neues Machtzentrum errichtet. Von hier wurde auch der zweite große Weltkrieg der Menschheitsgeschichte geplant und gesteuert. Ebenso wie der industrielle Massenmord an Jüdinnen*Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung und die Zerschlagung der deutschen Arbeiter*innen-Bewegung.
1945 wurde es für einige Jahrzehnte ruhig um diese Stadt. Nach zwei verlorenen Kriegen geteilt und zur Hälfte sozialistisch regiert taugte sie wenig als imperialistisches Zentrum.
Dies sollte sich ändern, als 1989 die Mauer fiel und die DDR im Folgejahr von der BRD einverleibt wurde. Das "vereinigte" Deutschland konnte so seine Führungsrolle in Europa ausbauen und konsolidieren. Dadurch wurde es die bestimmende politische Macht auf dem europäischen Kontinent. Stimmen, die auch eine militärische „Verantwortungsübernahme“ Deutschlands forderten, wurden stetig lauter.
Schon seit 1990 offiziell wieder Bundeshauptstadt, verlegte die Bundesregierung zur Jahrtausendwende ihren Sitz erneut nach Berlin. In der Folge etablierte sich Berlin-Mitte abermals als zentraler Schauplatz imperialistischer Machtpolitik in Deutschland und Europa.
Diesem neu entstandenen Machtzentrum widmet sich diese Recherche. Sie soll die Topographie der verschiedenen kriegstreibenden Akteure in Berlin-Mitte und den militärisch-industriellen Komplex sichtbar machen.
Dazu gehören die Unternehmenssitze von Rüstungskonzernen. Sie befinden sich an prestigeträchtigen Orten im Zentrum der Stadt und in unmittelbarer Nähe zu Regierungssitz und Parlament. Fast alle großen nationalen sowie internationalen Rüstungsunternehmen leisten sich Büros in der teuersten Lage der Stadt. Hier werden wirtschaftliche Entscheidungen getroffen, Lobbyismus betrieben und politische Entscheidungsträger wirtschafts- und sicherheitspolitisch „beraten“. Dort, wo tatsächlich produziert wird, stellen seit dem Aufrüstungsbeschluss des Bundestags vom 18. März 2025 auch in Berlin zunehmend Unternehmen auf die Rüstungsproduktion um. Das sind vor allem Start-Ups, aber auch der zu Rheinmetall gehörende Pierburg-Konzern mit Sitz in Berlin-Wedding.
Ein weiteres Element sind die zahlreichen Unternehmenssitze der Dual-Use-Produktion. Also Hersteller von Gütern, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Sie profitieren auch von steigenden Rüstungsausgaben und Kriegsvorbereitung und sind beteiligt am blutigen Geschäft mit dem Krieg.
Zum militärisch-industriellen Komplex in Berlin Mitte gehören eine Vielzahl von Stiftungen, Thinktanks und Interessenverbänden des Militärs und der „Sicherheits“-Wirtschaft. Diese beraten Bundesregierung außen- und „sicherheits“politisch. Dafür forschen sie unter anderem an globalen geopolitischen Entwicklungen. Sie entwerfen zum Teil auch Kriegsszenarien und Bündnisstrategien, die – ihrer Ansicht nach – die Lage für die Interessen der herrschenden Klasse in Deutschland möglichst günstig beeinflussen. Als angesehene Forschungsinstiutionen werden Mitarbeiter*innen dieser Einrichtungen in Nachrichten und Talkshows als Expert*innen gehört und prägen so den gesamtgesellschaftlichen Diskurs über „Sicherheit“ und die Notwendigkeit von Aufrüstung und Krieg.
Diese Institutionen sind besonders stark personell verflochten mit einem weiteren Element der Recherche: die Orte des Militärs und staatlicher Institutionen. Darunter zählen z.B. das „Verteidigungs“ministerium, Kasernen oder das „Karrierecenter“ der Bundeswehr
Gemein haben die unterschiedlichen Akteure des militärisch-industriellen-Komplexes, dass sie von Waffendeals, Militärprojekten, Aufrüstungsplänen und Kriegsvorbereitung finanziell profitieren. Sie beeinflussen wesentlich die deutsche „Sicherheits-“ und Außenpolitik und die öffentliche Meinungsbildung.
Dies alles wollen wir hier sichtbar machen und politisch Einordnen. Wir wollen aber auch zum Handeln aufrufen. Denn die Gefahr eines weiteren Weltkriegs wächst stetig. Egal wo und wie er ausbrechen wird: dieser Krieg wird Tod, Armut und Zerstörung mit sich bringen. Berlin Mitte soll nicht erneut Ausgangspunkt davon sein! War starts here...lets end it here!


