Dual-Use in Berlin
Was bedeutet Dual Use?
Der Begriff Dual Use bedeutet, dass Technologien und Produkte im doppelten Sinne verwendet werden können. Er bezieht sich auf Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Die Rüstungsindustrie ist dabei schon immer darauf angewiesen, dass andere Firmen (aus anderen Bereichen) beispielsweise ihre Technik, ihre Produkte und Software auch für die militärische Produktion bereitstellen.
Dual-Use-Produktion findet in Deutschland vor allem in den Branchen Maschinenbau, der Automobilindustrie und IT/ Kommunikationssysteme statt.
Nach der Bereitstellung von 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr und der gesetzlichen Verankerung massiver Mehrausgaben für militärische Zwecke seit dem Jahr 2022, sehen immer mehr Firmen ihre wirtschaftliche Zukunft in der Produktion von Kriegsmaterial und der Belieferung der Rüstungsindustrie.
Neben der kompletten Umstellung der eigenen Produktion von beispielsweise Autoteilen auf die Produktion von Artilleriegeschossen, wie bei der ehemaligen Pierburg AG (nun Rheinmetall Waffe Munition GmbH) in Berlin-Wedding, sehen viele Unternehmen die Lösung der wirtschaftlichen Krise in der Lieferung von Dual-Use-Gütern an die Rüstungsindustrie. Firmen wie Bosch, Continental AG oder Heidelberger Druckmaschinen AG sind nur einige dieser Unternehmen. Zahlreiche Startup-Unternehmen stellen die Anwendbarkeit ihrer Güter nicht nur in der zivilen, sondern auch im militärischen Bereich sicher, bspw. im Sektor der Drohnentechnologien. Im Geschäft mit Tod und Zerstörung locken milliardenschwere Aufträge und Aussichten auf großen Profit.
Der Berliner Senat verspricht sich durch eine vermehrte Ansiedlung zahlreicher Unternehmen aus den Bereichen des "Dual Use" eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Berlin. Laut der Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sind bereits 400 Dual-Use-Unternehmen in der Stadt tätig. Die Zahl wird stark ansteigen.
Im Dezember 2025 hat der Berliner Senat ein Defense Technology-Ökosystem (DefTech) beschlossen. Hiermit "soll der Technologie- und Innovationsstandort Berlin gestärkt und die Entwicklung von Sicherheits- und Verteidigungstechnologien gefördert werden." Dies lädt viele urprünglich zivile Produzent:innen dazu ein, weiter in Richtung militärischer Verwendbarkeit ihrer Produkte zu denken.
Auch der Bereich "Wissenschaft und Forschung" ist von der militärischen Verwendung nicht ausgenommen. So schmückte sich Bürgermeister Kai Wegner (CDU) mit einem "hervorragenden Wissenschaftsstandort". Der Druck auf Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird steigen, ihre Wissenschaft unter das Primat der sogenannten "Verteidigungswirtschaft" zu stellen, wenn sie ihre Existenz sichern wollen.
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